Interview mit Dr. Klaus Poser Teil II

Aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der Evangelischen und Katholischen Zentralstellen für Entwicklungszusammenarbeit (EZE/KZE)

6.    Wie sehen Sie heute die derzeitige Entwicklungszusammenarbeit?

Von meinem Vorgänger Ernst Mordhorst habe ich gelernt, meinen Nachfolgern nach der Einarbeitung nicht weiter ‚in die Suppe zu spucken‘, wenn es manchmal auch schwer fällt. Entsprechend habe ich zu wenig Einsicht in die Strategien und Arbeitsweisen des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED), um mir ein gültiges Urteil erlauben zu können.

Soweit es um die Zusammenarbeit zwischen EED und die AAHI in Nairobi geht, erlebe ich dankbar eine einfühlsame, kompetente und treue Partnerschaft beim schwierigen Aufbau der sozialen Infrastrukturen und der am Gemeinwesen orientierten Wirtschaftsförderung im bürgerkriegsgeplagten Südsudan. Dort braucht es langen Atem und viel ‚soft ware‘, sprich Zurüstung und Begleitung bei der „Eingemeindung“ notwendiger neuer Institutionen und Techniken. Wir wissen uns da bei Karin Döhne und Joachim Neugebauer in guten Händen.

Dr. Klaus Poser (re.vorne) zusammen mit Vorstandmitgliedern des Maasai Division Development Programme (MDDP) in Narok/Kenia
Dr. Klaus Poser zusammen mit Vorstandmitgliedern des Maasai Division Development Programme (MDDP) in Narok/Kenia

7.    Was wünschen Sie EZE/KZE für die Zukunft?

Diese Frage ist für mich im Hinblick auf die EZE schwer zu beantworten, da ich zu wenig über die bevorstehende Fusion in das gemeinsame Werk Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst weiß. Wir sprachen seinerzeit vom so genannten Zwei-Kreise-Ansatz: Einmal unsere Beziehung zum BMZ und den Behörden wie Bundesrechnungshof und Bundesbaudirektion, und klar davon getrennt unser Partnernetzwerk.

Auch im neuen Werk werden die Bundesmittel den größeren Anteil stellen. Daher ist die Gestaltung des Innenverhältnisses, das heißt des ersten Kreises, mit dem BMZ von großer Wichtigkeit. Ich wünsche dem neuen Werk, dass es ihm gelingt, nicht nur die Etatansätze zu sichern oder gar auszuweiten, sondern sich auch die gestalterischen Freiräume, die Bewahrung der Originalität und Vielfältigkeit der Partnerprogramme zu erhalten.

Dazu ist intensiver Dialog und überzeugende Interpretation nötig vor dem Hintergrund des gesamten staatlichen und nicht-staatlichen Entwicklungsgeschehens und seiner Diskussion. Zu erinnern ist auch daran, dass Konrad Adenauer mit der Kirchen-Staat Zusammenarbeit einen breiten gesellschaftlichen Kooperationsansatz und Diskurs im Sinne hatte und politisch wollte. Ich wünsche beiden, EZE und KZE, dass sie ihre ‚Mitgift‘, die unmittelbare Nähe und Verbindung zu den Partnern, den Menschen und ihren Gemeinden und Organisationen den Regierungspartnern gegenüber glaubwürdig zur Sprache und Erkenntnis bringen können.

Dazu bedarf es des engagierten Einsatzes kenntnisreicher und ‚missionarischer‘ Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Aber auch der aufklärenden Werbung durch kirchliche Vertreter und Führungskräfte – Hermann Kunst verstand sich vor allem auch als ‚Pastor in Bonn‘.

Was den zweiten Kreis, das Außenverhältnis zu den Partnern angeht, kann man dem Neuen Werk ja nur alles Gute wünschen. In ihm wird die EZE (wie im EED als ‚Tochter‘ geführt) zu einer unter anderen Finanzierungsquellen. Es geht im Außenverhältnis also um die Profilierung des neuen Werkes. Da kann man nur hoffen, dass einige der Erfahrungen und Vorstellungen der EZE erinnert und fruchtbar gemacht werden.


8.    Welche Projekte füllen derzeit Ihren Terminkalender?

Wollen Sie das wirklich wissen?

Zum Beispiel veranstalten wir von der ACK (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen) Freiburg, deren Leitendem Arbeitskreis ich angehöre, am 22. September einen „Tag der Kirchen“ auf unserem Rathausplatz.

Am 29. September findet in Nairobi die nächste Sitzung des Internationalen Vorstands von Action Africa Help International (AAHI) statt, dem ich als Vorstandsmitglied und Vertreter des deutschen AAH e.V. angehöre. Meist ist das mit Projektbesuchen verbunden. Ich freue mich da immer über die nachhaltige partnerschaftliche Unterstützung von AAHI durch den EED.

Ende Oktober tagt der Nachhaltigkeitsrat der Stadt Freiburg, dem ich als ehemaliger Gründungsvorsitzender der FREIBURGER TAFEL und Vertreter der Zivilgesellschaft angehöre.

Dann ist da noch das Netzwerk Diakonie im Landkreis und die Gruppe „Energie Hunger – Nein Danke“, die sich für einen sofortigen Importstopp von Agrofuels und Biomasse und die „2000 Watt-Gesellschaft“ einsetzt. Aber es reicht erst einmal. Für 2013 stehen, Gott sei Dank, vorerst vor allem Familienfeste an.

Bonn, 05.09.2012

Dr. Klaus Poser war von 1970 bis 1986 Geschäftsführer der Evangelischen Zentralstelle für Entwicklung (EZE).

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