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(Bonn/Aachen, 6. September 2012) Gemeinsam mit Bundespräsident Joachim Gauck, Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel, Erzbischof Robert Zollitsch und Präses Nikolaus Schneider haben am Donnerstag über 500 Gäste in Bonn das 50-jährige Jubiläum der Kooperation von Staat und Kirchen in der Entwicklungszusammenarbeit gefeiert. Seit 50 Jahren setzen sich Staat und Kirchen gemeinsam für die Ärmsten der Armen in aller Welt ein. In dieser Zeit unterstützten die beiden christlichen Kirchen mit staatlichen Zuschüssen rund 20.000 Entwicklungsprojekte.

Beim Festakt in der Bundeskunsthalle feierte man eine Erfolgsgeschichte: Seit 1962 haben die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) insgesamt rund 6,2 Milliarden Euro erhalten. Sie haben mit diesen Zuschüssen und eigenem Geld in 50 Jahren fast 20.000 Entwicklungs- und Hilfsprojekte in Asien, Afrika und Lateinamerikaunterstützt und damit die Lebensbedingungen von Millionen Menschen nachhaltig verbessert. Die Bundesregierung bringt dabei der 1962 gegründeten Katholischen Zentralstelle für Entwicklungshilfe (KZE), beim Hilfswerk MISEREOR angesiedelt, und der Evangelischen Zentralstelle für Entwicklungshilfe (EZE), seit dem 30. August 2012 bei Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung beheimatet, ein großes Maß an Vertrauen entgegen. Die Kirchen können die ihnen anvertrauen Staatsgelder nach klaren Absprachen eigenverantwortlich und unabhängig für ihre Entwicklungsarbeit einsetzen. Sie müssen dabei nur eine Bedingung erfüllen: Das Geld darf nicht für Zwecke der Verkündigung verwendet werden.

Alle bisherigen Bundesregierungen und Bundestagsparteien haben diese Zusammenarbeit vorbehaltlos unterstützt. Dahinter steckt die klare Erkenntnis, dass die Kooperation von Staat und Kirchen allen Seiten zugutekommt. „Die Kirchen erhalten eine verlässliche Finanzquelle für ihre Entwicklungsprojekte, der Staat erhält Zugang zum weltweiten Netz der Kirchen in den Entwicklungsländern", betont Claudia Warning, seit der Fusion von Evangelischem Entwicklungsdienst und Diakonischem Werk der EKD neuer Vorstand Internationale Programme und Inlandsförderung Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst. Es gebe viele Beispiele dafür, dass die Kirchen insbesondere in Krisenländern oder Staaten mit autoritären Regierungen anders agieren könnten als staatliche Entwicklungsorganisationen. „Die Kirchen haben auch in Ländern wie Afghanistan, Mali, Simbabwe oder Haiti einheimische Partner, wo man zunächst keine vermuten würde", unterstreicht Prälat Karl Jüsten, Vorstandsvorsitzender der KZE und Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe – Katholisches Büro in Berlin. „Wo es sinnvoll und notwendig ist, zählen dazu in islamischen Ländern auch muslimische Partnerorganisationen."

„50 Jahre fruchtbare Zusammenarbeit von Staat und Kirchen heißt auch, fünf Jahrzehnte offener und, falls nötig, kritischer Dialog", sagt Prälat Bernhard Felmberg, Vorstandsvorsitzender der EZE und Bevollmächtigter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland bei der Bundesrepublik Deutschland und der EU. „Als Kirchen treibt uns die Notwendigkeit der Überwindung von Hunger, Krankheit und ungerechten Machtstrukturen in den Ländern des

Südens an. Wenn wir den Eindruck haben, dass die staatliche Entwicklungszusammenarbeit dies aus dem Blick verlieren sollte, dann werden wir uns dazu zu Wort melden." „In unserer Haltung, den Armen keine vorgefertigten Hilfskonzepte zu präsentieren, sondern die Verantwortung dafür, welche Art der Unterstützung für sie die richtige ist, partnerschaftlich vor Ort zu belassen und zu stärken, sehen wir uns als kirchliche Hilfswerke auch nach 50 Jahren Kooperation mit dem Staat bestätigt", erklärt Martin Bröckelmann-Simon, Vorstand Internationale Zusammenarbeit bei MISEREOR. „Eine Haltung, die den unbedingten Willen betont, die Armut zu bekämpfen."

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Pressesprecherin Brot für die Welt
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