Hunger und Not: Kirchen starten Entwicklungshilfe (1962-1971)

Unter dem Eindruck von Hunger und Not in der Welt beginnen die Kirchen Ende der 1950er Jahre ihre Entwicklungsarbeit (Brot für die Welt, Misereor)."Modernisierung" lautet das Zauberwort der Entwicklungspolitik bis in die 60-Jahre. Arme Länder sollen mit Industrialisierung und großen Infrastrukturprojekten das westliche Entwicklungsmodell nachahmen („nachholende Entwicklung“).

Walter Scheel, erster Bundes­minister für wirt­schaft­liche Zusammen­arbeit, besucht 1966 die MISEREOR-Zentrale. V.l.n.r.: Hr. Hartmann, Kardinal Frings, Prälat Dossing, Erzbischof Zoa (Kamerun) und BM Scheel
Walter Scheel, erster Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, besucht die MISEREOR-Zentrale.

Die Evangelische Zentralstelle für Entwicklungshilfe (EZE) und die Katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe (KZE) werden gegründet – treibende Kräfte sind die Bischof Hermann Kunst und Erzbischof Joseph Kardinal Frings. Mit der Gründung der Zentralstellen gehen die Kirchen auf das Angebot der Bundesregierung ein, ihnen öffentliche Mittel zur Förderung der Entwicklungsvorhaben ihrer Partner zur Verfügung zu stellen. Subsidiarität und Programmautonomie sind dabei entscheidende Grundsätze: Der Staat ergänzt mit seinen Mitteln die kirchlichen Gelder - die Kirchen sind bei Projektauswahl und -gestaltung autonom. 

Dr. Hermann Kunst
Dr. Hermann Kunst

Erste Projekte

Anfangs stehen wenige Länder im Mittelpunkt, zu denen langjährige Missionsbeziehungen bestehen: Gefördert werden Schlüsselprojekte der sozialen Infrastruktur wie Krankenhäuser in Tansania oder Gewerbeschulen in Indien.

Prälat Wilhelm Wissing wird Vorsitzender der katholischen Zentralstelle für Entwicklungshilfe. Erster Geschäftsführer der EZE wird Dr. Ernst Mordhorst.