Landrecht für Vertriebene

Wo bisher Reis angebaut wurde, wird jetzt mit dem Bulldozer Raum für Tourismus-Projekte geschaffen. Dafür werde auch Reisfelder planiert.

Der Landbesitz in Kambodscha ist ungleich verteilt. 20 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner ländlicher Gebiete besitzen überhaupt kein Land, weitere 40 Prozent oft nur eine kleine Parzelle. In den letzten Jahren trug die Regierung zur Verschärfung dieser Situation bei: Im Rahmen von so genannten "Economic Land Concessions" verpachtete sie mehrere tausend Hektar Land zu günstigen Konditionen an Agrarkonzerne und Bodenspekulanten. In Folge vertrieben die Konzerne Bäuerinnen und Bauern von ihrem angestammten Land, erbauten Tourismusprojekte oder nutzen es zur Ansiedlung von Fabriken. Die Vertriebenen leben oft in ärmlichen Verhältnissen in Sichtweite ihres ehemaligen Landes.

Doch auch den nicht Vertriebenen droht ein ähnliches Schicksal, auch ihr Landbesitz ist rechtlich unsicher. Eine Gesetzesreform sollte diese Unsicherheit 2001 beenden. Sie sichert allen Bäuerinnen und Bauern die Besitzrechte für ihr Land zu. Als Vorraussetzung mussten sie es mindestens fünf Jahre lang bebaut haben und nicht in Besitzstreitigkeiten verwickelt sein.

In vielen Fällen verfehlt die Reform jedoch ihre Wirkung. STAR Kampuchea, eine Partnerorganisation des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED), prangert in diesem Zusammenhang an, dass viele Menschen ihre Rechte nicht kennen oder nicht wissen, wie sie einen Landtitel erhalten. Der geringe Ausbildungsgrad und die schlechte Infrastruktur außerhalb der Städte verhindern, dass die Menschen diese wichtigen Informationen erhalten.

STAR Kampuchea setzt sich umfänglich für diese Menschen ein: Mitarbeitende informieren die betroffenen Bewohner über ihre Rechte und helfen dabei, Landtitel zu bekommen. Zudem unterstützen sie vertriebene Familien dabei, ihren Besitz zurückzuerhalten. Im Mai 2006 sorgte Nhek Sarin, Direktor von STAR Kampuchea, beispielsweise dafür, dass 218 Familien aus dem Dorf Kbal Spean in der südwestlichen Provinz Bantey-Meanchey den Großteil ihres Landes zurückbekamen. Die Bewohnerinnen und Bewohner hatten vorab vier Wochen lang vor dem Parlamentsgebäude in Phnom Penh kampiert und einen Brief an die Regierung geschickt, um ihr Recht durchzusetzen.

Vertrieben: Behelfsmäßige Unterkünfte in Sihanoukville in Sichtweite der früheren Felder

Land: Kambodscha

Partner: STAR Kampuchea

Ziel: Beratung lokaler Gruppen zur Stärkung der Zivilgesellschaft und Sicherung von Landrechten

Projekt-Zeitraum: 01.01.2010 bis 31.12.2012