Ruanda: Vision Jeunesse Nouvelle

„Jedem Jugendlichen seine Chance“: Das ist das Ziel der Vision Jeunesse Nouvelle (VJN) in der Provinz Rubavu/Ruanda. Um alle Jugendlichen zu erreichen, setzt die VJN auf Berufsbildung, Sport und Kultur im weiteren Sinne. Dadurch soll jede(r) Jugendliche die Chance bekommen, seine bzw. ihre Talente zu entdecken und zur Entfaltung zu bringen.

Ein breites Kultur- und Bildungsangebot gibt den Jugendlichen die Chance zur Selbstverwirklichung. Besonders beliebt sind die Sportangebote.
Jugendliche Akrobatan

Der Rubavu-Distrikt im Westen Ruandas zählt rund 300.000 Einwohner, darunter 15.000 Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren. Dies entspricht etwa 20% der Gesamtbevölkerung. Er grenzt an die Nord-Kivu-Provinz im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Viele Flüchtlinge und Vertriebene leben hier.
 „Wir wollen den Jugendlichen einen Raum zur Verfügung stellen, in dem sie Selbstverwirklichung, Toleranz, Kooperation und Solidarität erlernen und erfahren“, sagt Emmanuel Dusabimana, der Koordinator des 2002 gegründeten Zentrums.

Durch das Genozid 1994 (siehe Kasten rechts) haben viele Jugendliche Eltern, Verwandte und Geschwister verloren und leiden noch immer unter den schrecklichen Ereignissen. Ein Teil dieser jungen Leute leben in sogenannten Kinderhaushalten in extremer Armut, d.h. sie haben nur noch ein Elternteil oder leben ganz ohne Vater und Mutter. Viele von ihnen sind Straßenkinder, auch Mayebo genannt. Manche prostituieren sich. Die HIV-Rate ist gerade unter den 14 – 25 Jährigen sehr hoch.

Trotz Schulpflicht können viele Jugendliche nicht lesen. Analphabetisierungs- kurse und Berufsausbildung gehören zum Kernprogramm der VJN.
Automechaniker in einer VJN-Werkstatt

Kulturangebote. Schulen. Und Sport für 23 000 Jugendliche.

Die Jugendlichen in Rubavu sind mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert: fehlende AIDS-Aufklärung, kein Zugang zu Ausbildung und Beschäftigung, unzureichende Freizeitangebote, arme Elternhäuser, etc. Kriminalität ist leider weit verbreitet.
Um alle Jugendlichen zu erreichen, setzt die VJN auf

  • Aus- und Berufsbildung: In 20 Alphabetisierungszentren landesweit können jährlich  950 Jugendliche erreicht werden. Ausbildungsprogramme gibt es für den Frisör-Beruf, zum Stricker, Fahrrad- oder Automechaniker, Elektriker, Programmierer, Schweißer, Schreiner und Maurer.
Freiräume für Jugendliche: Der Umbau eines alten Hangars zur Turnhalle wurde auch duch Mittel der KZE ermöglicht.
Jugendliche Akrobaten
  • Sport: Mehr als 23.000 Jugendliche nutzten das Sportangebot des VJC: Schwimmen, Fuß- Volley- und Handball, Karate, Akrobatik und Leichtathletik.
  • Kultur:  Neben einem Orchester und Tanzgruppen für traditionellen und modernen Tanz, einem Kulturkino und einem eigenen Radioprogramm gibt es zahlreiche Theatergruppen – und auch Debattier-Clubs!

Dadurch soll jede(r) Jugendliche die Chance bekommen, seine bzw. ihre Talente zu entdecken und zur Entfaltung zu bringen.  Immer mit im Fokus sind Aids-Aufklärung, Anti-Gewalt-Programme und Ermunterung zu Toleranz und Respekt.

Vision Jeunesse Nouvelle (VJN)

  • Épimaque Makuza und Gabriel Lauzon  gründeten die VJN im Jahr 2002 in Gisenyi vor allem für die ärmsten der Jugendlichen und Kinder: AIDS-Waisen, Straßenkinder, Kinder, die nicht zur Schule gehen oder sich prostituieren.
  • Die VJN beschäftigt dafür 125 Mitarbeiter.
  • Sie will den Jugendlichen durch ein breites  Bildungs-, Sport- und Kulturangebot ein gesundes Leben und eine produktiven Zukunft ermöglichen.
  • Mirkokredite und Genossenschaften ermöglichen den Sprung in die Selbst- ständigkeit.
  • Zentral sind der Kampf gegen Jugend- kriminalität und sexuell übertragbare Krankheiten.

Projektfilm VJN

Link zum Projektfilm

Dieser Film entstand für die Aktion "2-Euro-helfen", die die Arbeit der VJN in Ruanda unterstützt. http://www.2-euro-helfen.de/home.html

Hintergrund: Der Genozid 1994

1994 ereignete sich in Ruanda ein schrecklicher Völkermord. Etwa 800.000 Menschen,  überwiegend Angehörige der Volksgruppe der Tutsi, kamen bei dem Genozid ums Leben. Einen großen Teil der Schuld trägt der damalige Armeechef Augustin Bizimungu. Er hatte hunderte radikale Hutu-Milizen  ausbilden und mit Waffen ausstatten lassen. Parallel dazu rief er zum Morden an den Tutsis auf. Eine wichtige Rolle nahm dabei der Radiosender RTLM (Radio télévision libre des milles collines) ein. Er stachelte durch Propaganda dazu auf, Tutsis zu ermorden. 2002 wurde Bizimungu entdeckt und festgenommen. Das UN Sondertribunal für Ruanda in Arusha (Tansania) verurteilte ihn 2008 wegen Völkermord zu lebenslanger Haft.