Landpastoral Marabá - Schutz der Biodiversität und Menschenrechte

Brasilien, das steht für Samba, Fußball und den Regenwald. Doch das Sinnbild des lateinamerikanischen Landes, der immergrüne Tropenwald, weicht Kuhweiden und Sojaplantagen. Das hat dramatische Folgen für das Weltklima - und Brasiliens landlose Bauern.

Erfolg der guten Beratung: José Ribeiro bewirtschaftet heute mit seiner Familie ein lange brachgelegenes Stück Land.
Kleinbauer Ribeiro mit seinen Kindern

José Ribeiro war verzweifelt. Für den Bau eines Staudamms musste der brasilianische Bauer sein Land abgeben. Ein Schicksal, das er mit tausenden anderen Kleinbauern am Amazonas teilte. „Von heute auf morgen hatten wir kein Land mehr." "Und kein Geld. Ich wusste nicht mehr, wie ich meine Familie ernähren soll“, erinnert sich der 44-Jährige heute. Er sah nur noch einen Ausweg: er musste sein Dorf verlassen und mit seiner Familie in der Hoffnung auf Arbeit in die Stadt ziehen. Doch Ribeiro hatte Glück. Es kam anders.

Köhlerei und Viehwirtschaft zerstören den Regenwald

Kurz bevor er sich auf den Weg machen wollte, hörte der Kleinbauer von der „Kommission für das Landpastoral“ (CPT) in der Diözese Marabá. Die CPT werde ihm helfen, wieder Land zu bekommen, sagte man ihm. "Das war meine letzte Hoffnung", so Ribeiro. CPT stellt sich an die Seite der Landbevölkerung und fordert vor allem eine gerechtere Verteilung des Landes. Ihr Grundsatz lautet: "Das Land ist eine Gabe Gottes für alle Menschen und nicht nur für einige Wenige".

Der Abholzung des Waldes folgen oft die Holzkohlegewinnung, großflächige Viehwirtschaft und Sojaanbau.
Ein LKW tranportiert Holzstämme

Ein Anspruch, von dem Brasilien weit entfernt ist: Nicht einmal zwei Prozent der Landeigentümer besitzen fast die Hälfte des nutzbaren Bodens. Dabei werden immer größere Teile des tropischen Regenwaldes in Ackerfläche umgewandelt. Dabei sind die Bäume des Waldes entscheidend für das Weltklima. Sie entziehen der Atmosphäre CO2. Doch Abholzung, Plantagen-Ausbau, Ölförderung oder Straßenbau führen dazu, dass der größte tropische Regenwald der Erde mehr und mehr verloren geht. Bereits ein Fünftel des Regenwaldes ist zerstört. Dabei geht es längst nicht mehr um seltene Edelhölzer wie Mahagoni oder Paranuss. Aus den meisten Bäumen wird Holzkohle für die Herstellung von Stahl gewonnen. Später werden die gerodeten Flächen als Weideland und für Soja-Plantagen genutzt.

Die Abholzung ist lukrativ -  für einige wenige, denen ein Großteil der Ackerflächen gehört. Doch „was für die einen Profit ist, entzieht den anderen ihre Lebensgrundlage,“ so  Rosalinda von CPT. Die Großgrundbesitzer nutzen oftmals nur einen Bruchteil der Fläche – der Rest liegt brach. Landlosen Familien, wie der von Bauer Ribeiro, wird die Nutzung dieser Flächen verwehrt. Nicht selten werden sie in ihrer Not Opfer von Ausbeutung und moderner Sklaverei.

Arbeit der Landpastoral zeigt Wirkung

Kein Grundbesitz - keine Rechte? Die CPT berät landlose Bauern und drängt auf eine gerechte Landreform.
Landlose Bauern organisieren sich

Das Projekt kann schon auf einige Erfolge verweisen:

  • Es haben keine Vertreibungen stattgefunden, vierhundert Familien konnten trotz Klagen Besitzer ihre Ländereien behalten.
  • Der Rechtsschutz von Aktivisten der Landlosenbewegung konnte verbessert werden.
  • Vier Gemeinden wurden bei Verhandlungen mit Begbau- und Industrieunternehmen begleitet. Dabei ging es vor allem um Entschädigungzahlungen an die Gemeinden.
  • Anklagen wegen sklavenähnlicher Beschäftigung
  • In allen vier Gemeinden wird auf Holzkohlegewinnung verzichtet.

Auch Bauer Ribiero und seiner Familie konnte geholfen werden: „Es war ein langer Weg, aber inzwischen wohne ich mit einigen anderen Familien auf einem Stück Land, das schon über viele Jahre nicht genutzt worden war.“

 

Video mit Roberto Malvezzi (CPT)

Videolink

Roberto Malvezzi, Beauftragter der CPT schildert die Folgen für die Armen, wenn der Zuckerrohranbau für Agrarkraftstoffe ausgedehnt wird: Wasserknappheit, Landkonzentration und Hunger als die Kehrseite von E10.

Der „Kommission für das Landpastoral“ (CPT)

wurde 1991 in Stockholm der Alternative Nobelpreis verliehen.

  • Sie bezahlt Rechtsanwälte, die Bauern bei Landkonflikten beraten.
  • klärt viele Menschen über ihre Rechte auf.
  • berät Landlose bei ihrer Wiederansiedlung.
  • informiert in Brasilien und international über die ungelöste Landproblematik.
  • leistet Lobbyarbeit für eine gerechte Agrarreform.
  • organisiert Demonstrationen und Besetzungen von brach liegenden Landstücken.
  • schult Bauern in nachhaltigen Anbaumethoden.
  • berät und koordiniert Landarbeiter-Gewerkschaften.

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